CSM – Maschinen und Gerätegemeinschaft
Menschen stellen ihre Maschinen anderen zur Verfügung, erhalten dafür einen fairen finanziellen Ausgleich und gleichzeitig entsteht eine gemeinschaftlich nutzbare Infrastruktur.
Das könnte man als „Maschinen- und Gerätegemeinschaft“ oder „MiMa Gerätepool“ organisieren.
Dabei kann man zwischen drei Zielen unterscheiden:
1. Kostendeckung: Wer eine Maschine besitzt, soll nicht auf Wartung, Verschleiß und Reparaturen sitzen bleiben.
2. Fairer Nutzen: Wer eine Maschine häufig verwendet, beteiligt sich stärker an den Kosten.
3. Gemeinschaftlicher Mehrwert: Maschinen sollen möglichst gut ausgelastet werden, ohne dass jeder selbst eine kaufen muss.
1. Sieben mögliche Finanzierungsmodelle
Modell Funktionsweise Vorteil
1. Nutzungsgebühr Zahlung je Stunde, Tag oder Verarbeitungseinheit Einfach und transparent
2. Kostenbeteiligung Strom, Wartung, Verschleiß und Abschreibung werden aufgeteilt Besonders fair
3. Mitgliedschaft / Flatrate Monatlicher oder jährlicher Beitrag für die Nutzung eines Gerätepools Planbare Einnahmen
4. Zeitguthaben / Tausch Eine Stunde Maschinenbereitstellung bringt Guthaben für andere Maschinen Fördert Gegenseitigkeit
5. Gemeinschaftlicher Kauf Mehrere Personen finanzieren gemeinsam eine Maschine Geringere Anschaffungskosten
6. Umsatzbeteiligung Maschinenbesitzer erhält einen Anteil am Erlös der verarbeiteten Produkte Interessant für Produzenten
7. Mischmodell Kleine Grundgebühr plus Nutzungskosten, gegebenenfalls Zeitguthaben Flexibel und langfristig tragfähig
Gerade das Mischmodell aus Nutzungsgebühren, Kostenbeteiligung und Zeitguthaben finde ich für einen gemeinschaftlichen Gerätepool besonders geeignet.
2. Konkrete Verrechnung für eure Maschinen
Als erste Orientierung könnte ein Gerätepool mit folgenden Tarifen starten. Das sind beispielhafte Kalkulationsansätze, keine recherchierten Marktpreise.
Maschine Abrechnung Beispieltarif
Obst-Pasteurisierung Je Liter 0,10–0,25 €
Kartoffel-/Yacon-Schäler Je Betriebsstunde 4–8 €
Dörrautomat, 18 Etagen Je 24 Stunden 5–10 €
Fleischwolf / Zerkleinerer Je Betriebsstunde 3–6 €
Benzin-Gartenhacke Je Betriebsstunde 8–15 €
Strom, Treibstoff, Reinigung und Verbrauchsmaterial wären je nach Gerät separat oder pauschal abzurechnen.
Für landwirtschaftliche Geräte gibt es bereits eine anerkannte österreichische Grundlage: die ÖKL-Richtwerte für Maschinenselbstkosten. Diese berücksichtigen Abschreibung, Reparaturen, Auslastung und weitere Kosten.
www.oekl.at
3. Mein Vorschlag: ein solidarischer MiMa-Gerätepool
Das Interessante wäre, dass nicht nur Geld, sondern auch die Bereitstellung einer Maschine als Beitrag zur Gemeinschaft zählt.
Beispielsweise:
– Maria stellt ihren Dörrautomaten zur Verfügung.
– Peter bringt eine Gartenhacke ein.
– Anna stellt einen Kartoffelschäler bereit.
– Andere Mitglieder besitzen keine Geräte, möchten sie aber nutzen.
Man könnte mit einem einfachen Guthabensystem arbeiten.
Beispiel: Geräteguthaben
Maria stellt Dörrautomat bereit
+24 Punkte
3 Nutzungen à 8 Punkte
Maria nutzt Gartenhacke
−12 Punkte
1 Nutzung à 12 Punkte
Verbleibendes Guthaben
12 Punkte
Beispielrechnung mit 1 Punkt = 1 € Verrechnungswert. Eine Umwandlung in Geld ist nicht automatisch vorgesehen.
Wichtig wäre, dass Guthaben nicht unkontrolliert entstehen: Für jede Nutzung müsste festgelegt werden, welcher Anteil dem Eigentümer und welcher einem gemeinsamen Reparaturfonds zusteht. Auch die steuerliche Behandlung von Tauschleistungen wäre zu klären.
4. Interaktiver Kostenrechner für Maschinen
Damit könnte man für jedes Gerät einen nachvollziehbaren Selbstkostenpreis ermitteln.
Anschaffungswert600 €
Nutzungsdauer 8 Jahre
Jährliche Nutzungsstunden 60 h
Wartung und Reparatur pro Jahr 50 €
Zusätzlicher Reserveaufschlag 15 %
Berechneter Stundensatz 2,40 €/h
Vereinfachte lineare Abschreibung ohne Restwert; ohne Strom, Arbeitszeit, Versicherung, Lagerung und Steuern.
5. Was organisatorisch wichtig ist
Ich würde den Gerätepool so gestalten, dass die Maschinen im Eigentum der jeweiligen Personen bleiben können. Die MiMa könnte Reservierungen, Nutzungsdokumentation und gegebenenfalls die Abrechnung koordinieren.
Für Lebensmittelmaschinen braucht es zusätzlich klare Hygieneregeln, Reinigungsprotokolle und gegebenenfalls eine Trennung nach Einsatzbereichen. Gerade bei einem Fleischwolf, der für Sprossen oder Getreide verwendet wird, würde ich auf die tatsächliche Lebensmitteleignung und hygienische Reinigbarkeit achten.
Außerdem sollten Haftung bei Beschädigung, Versicherung, Unterweisung und die Frage geklärt werden, ob der Verein nur vermittelt oder selbst als Vermieter auftritt. Eine regelmäßige entgeltliche Vermietung kann in Österreich andere gewerbe-, steuer- und sozialversicherungsrechtliche Folgen haben als private Nachbarschaftshilfe.
6. Eine weitere Idee: Nutzungsüberschüsse gemeinschaftlich investieren
Ein Teil der Gebühren könnte in einen gemeinsamen Fonds fließen. Daraus werden Reparaturen finanziert und später zusätzliche Maschinen angeschafft.
So würde der Gerätepool mit jeder Nutzung wachsen, statt lediglich die bestehenden Geräte zu finanzieren.